Grußwort zum Tag der Psychologie 2015

Älterwerden wird meistens negativ betrachtet und Tagungen zum Thema beschäftigen sich meistens mit Defiziten und Demenz. Wir möchten uns dagegen beim diesjährigen Tag der Psychologie damit beschäftigen, welche Möglichkeiten alle Menschen haben, aktiv auf ihren persönlichen Alterungsprozess und ihr Wohlbefinden Einfluss zu nehmen.

Wir wissen seit Längerem, dass Altern auch viel mit der eigenen Einstellung und der der Umwelt zu tun hat. Ältere Menschen fühlen und verhalten sich so, wie sie glauben, dass es von ihnen erwartet wird. Dieses Selbst- und Fremdbild sollte reflektiert und hinterfragt werden, um nicht unnötig in das Rollenstereotyp des älteren Menschen zu verfallen.

Dieses Thema spricht gerade uns Psychologinnen und Psychologen auf zwei Ebenen an: Natürlich werden wir alle mit jedem Tag älter und müssen uns deswegen ganz persönlich mit dem Älterwerden auseinandersetzen. Viele von uns arbeiten aber auch in ihrem Berufsleben mit älteren Menschen und suchen praktische Anregungen und Beispiele, um ihnen zu möglichst viel Gesundheit und Wohlbefinden zu verhelfen.

Wenn wir das Älterwerden nicht nur als einen unabwendbaren Verfallsprozess betrachten, sondern als einen beeinflussbaren Vorgang, eröffnen wir uns viele Spielräume. Erst dann wird es überhaupt möglich, über positive Erfahrungen mit dem Älterwerden und Wohlbefinden in dieser Lebensphase nachzudenken. Es geht nicht nur um das Verhindern von Abbau und Krankheit, sondern um das Gestalten des eigenen Lebensstils.

Und immer, wenn es um das Erforschen und Verändern von Einstellungen, Erleben und Verhalten geht, haben Psychologinnen und Psychologen wichtige Beiträge zu leisten. Wir wollen also das Altern und seine Gestaltung nicht nur dem Gesundheitswesen überlassen, sondern dazu ermutigen, das Leben bis zum Schluss selbst zu gestalten.

Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern des Tages der Psychologie viele neue Anregungen und spannende Diskussionen!

Mit kollegialen Grüßen
Julia Scharnhorst
Fachbereichsleitung Gesundheitspsychologie